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Gastautorin Elena Balthesen von Fridays for Future

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In den letzten Jahren wurde die Klimakrise zerredet, kleingemacht. Maßnahmen wurden diskutiert und Proteste gefeiert, diffamiert oder auch ohne Ende gelobt. Und ohne politische Konsequenzen. Seit Corona heißt es, die Klimakatastrophe sei leider „in Vergessenheit“ geraten. Oder sie wird mit der Pandemie verglichen. Welche Krise ist denn schlimmer?

Zeit für ein paar Basisfakten und praktische Tipps für klimagerechtes Leben:

Bei gleichbleibenden Emissionen werden wir in sechs Jahren und zehn Monaten von aktuell ca. 1,2 Grad die Erderhitzung auf 1.5 Grad erhöht haben. Das entsprechende Zeitfenster schrumpft kontinuierlich. Sprich: Wir sind auf dem besten Weg, die Welt bis zum Ende des Jahrhunderts um drei bis vier Grad zu erwärmen. Dabei zerstören wir nicht nur irreversibel Ökosysteme, sondern auch unsere eigenen Lebensgrundlagen.

Klimaaktivismus

Die Hauptverursachenden Klimaerwärmer sind nicht auch die größten Leidtragenden.

„Es ist äußerst wahrscheinlich, dass der menschliche Einfluss die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts war.“ heißt es im fünften Sachstandsbericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change oder auch „Weltklimarat“). Nur sind die Hauptverursachenden nicht auch die größten Leidtragenden. Es herrscht eine immense Ungerechtigkeit zwischen historisch viel CO2 pro Kopf emittierenden Ländern (zum Beispiel Deutschland) und den MAPA – Most Affected People and Areas (meistens Länder des globalen Südens).

Die Reichsten zehn Prozent verursachen über die Hälfte der Treibhausgasemissionen.

Die Klimakrise ist also in vielerlei Hinsicht auch eine Gerechtigkeitskrise. Sie ist verknüpft mit Unterdrückungsstrukturen dieser Welt. Deshalb hat sie auch viele systemische Ursprünge – und fordert entsprechend systemische Lösungsansätze. Zur Erläuterung: Der Reichtum und die Profitsteigerung (und damit eine Steigerung des Emissionsausstoßes) im globalen Norden gründet auf der Ausbeutung von Menschen und Natur in anderen Teilen der Welt. Um Gerechtigkeit herzustellen und der Klimakrise entgegenwirken, müssen wir diese Ursachen erkennen.

Die 100 größten Konzerne sind für rund 70 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Klimaaktivismus

Das Problem ist unser konsumförderndes System.

Unser System ist nicht darauf ausgerichtet, dass wir nachhaltig leben. Es geht vielmehr darum, viel zu konsumieren. Ein klimaneutrales Leben zu führen ist kaum möglich. Das liegt jedoch nicht am einzelnen Menschen, sondern u.a. daran, dass Zugfahren immer noch so viel teurer ist als Fliegen, dass Fleisch so billig ist, das es bei Konsumentscheidungen kaum möglich ist, nur nachhaltige Produkte zu wählen, die sich auch alle leisten können. Und solange wir noch einen großen Teil unseres Stroms aus fossilen Energien gewinnen, können wir nicht klimaneutral werden. Das ist eine politische und keine individuelle Entscheidung. Um all das zu ändern, müssen Ansätze von der Politik ausgehen.

Dem 1.5 Grad Ziel haben sich die Entscheidungstragenden 2015 mit dem Pariser Abkommen verpflichtet.

Der in unserer Wirtschafts-, Lebens-, und Krisenmanagementsweise gründende Krisenkomplex erfordert mehr als ein paar Klimapäckchen. Politiker*innen haben entscheidende Hebel in der Hand, um die Klimakrise wirklich anzugehen. Damit das auch passiert, müssen wir nachhelfen. Denn leider sehen wir, dass es nicht von alleine geht.

Klimaaktivismus

Die folgenden Tipps sind keine Konsumkritik oder Stromspartricks, sondern aktivistische Handlungsmöglichkeiten. Denn systemische Probleme, brauchen systemische Antworten.

Klimaaktivismus #1: Use your voice!

In einer Demokratie zählt jede Stimme – nutze sie! Das beschränkt sich natürlich nicht nur aufs Wählen, sondern auch auf Gespräche mit Kolleg*innen, Freund*innen, Verwandten. Jede*r von uns hat eine Reichweite. Nur wenn wir über die Klimakrise Bescheid wissen, können wir sie auch anpacken.

Klimaaktivismus #2: Bilde dich und dein Umfeld…

…zur Klimakrise. Erschreckend wenige Menschen wissen über Ursprünge, Folgen und Handlungsmöglichkeiten zur Klimakrise Bescheid. Wenn dieses Wissen uns nicht im Bildungssystem vermittelt wird, müssen wir es uns selbst aneignen. Warum halten wir an Kohle als größter Emissionsquelle fest, obwohl Wind- und Sonnenenergie schon viel billiger ist und mehr Arbeitsplätze bietet? Wieso ist die Klimakrise rassistisch, warum haben kleine Konsumentscheidungen kaum Einfluss?

Besonders gut gemachte Artikel :
Klimareporter
Taz / Klima
Süddeutsche Zeitung
Klimafakten

Bücher:
Carola Rackete: Handeln statt Hoffen
David-Wallace Walls: Die Unbewohnbare Erde
Luisa Neubauer: Vom Ende der Klimakrise
Maya Göpel: Unsere Welt neu denken
Vanessa Nakate (noch nicht erschienen): The bigger Picture

Jetzt diese Podcasts hören:
klima update° – der Nachrichten-Podcast von Klimareportern°
1,5 Grad – der Klima-Podcast mit Luisa Neubauer
Ende Gelände – Der Podcast

Klimaaktivismus

Klimaaktivismus #3: Kontaktiere lokale Politiker*innen…

…und setze Dich dafür ein, dass Deine Stadt oder Dein Dorf klimaneutral wird. Die Erderhitzung ist zwar ein globales Problem, wird aber auch lokal verursacht. Investiert Deine Stadt immer noch in dreckige Energien? Durch eine Kontaktaufnahme wissen die Politiker*innen, dass die Bevölkerung bereit für Veränderung ist und verspüren Druck.

Klimaaktivismus #4: Aktiv werden.

Es gibt unglaublich viele Organisationen, Gruppen und Bewegungen die gegen die Klimakrise aktiv sind. Zum Beispiel unterschiedliche „For Future“ Gruppen, aber auch lokale Organisationen, die sich über Unterstützung freuen, und das auf verschiedene Art und Weise. Ob mit Ende Gelände zur Blockade, bei den Students for Future oder dem Radentscheid – jede*r findet was!

Klimaaktivismus #5: Mach dich bereit für den nächsten Klimastreik.

Am 19.03.21 geht Fridays for Future unter dem Motto #NoMorePromises wieder global auf die Straße, je nach Coronalage unter Hygieneauflagen. Sei dabei und melde dich bei deiner Ortsgruppe, wenn du mithelfen möchtest. (Hier findest du Infos und Kontaktmöglichkeiten!)

SAVE THE DATE: Globaler KLimastreik am 19.3.2021

Elena Balthesen von Fridays for Future München

Danke, Elena für Deinen Text und Dein tolles Engagement trotz Abiturphase.

Wir sehen uns am 19.3.2021, denn wir wollen keine weiteren Versprechen sondern Taten.

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