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Wir sehnen uns nach vertrauenswürdigen Fasern, sagt Li Edelkoort. Aber wer genau meint sie mit "wir"?

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Von trusted fibres und meiner Verwirrung

Grundsätzlich gebe ich Li Edelkoort recht – Menschen sehnen sich nach „trusted fibres“. Zumindest einige von uns Menschen. Den leider immer noch viel zu kleinen Prozentsatz der Menschheit, der sich tatsächlich Gedanken darüber macht, was er an seine Haut lässt und wo seine Sachen herkommen. Und deswegen entschieden hat, bestimmte Dinge nicht mehr zu kaufen und stattdessen in Fairfashion zu investieren. Aber wen genau meint sie denn mit „die Menschen“?

Trusted Fibres

Täglich umgeben wir uns mit Tonnen an Textilien. Aber fragen wir uns auch woher die kommen? #whomademyclothes

Aber was ist mit all den anderen?

Als ich jung war (und das ist definitiv ein paar Tage her), gab es im Fernsehen einen Werbespot eines Seifenherstellers, in dem hieß es „An meine Haut lass ich nur Wasser und CD.“ Offensichtlich macht man sich bei Flüssigkeiten wie Cremes schon sehr, sehr lange Gedanken, ob sie schädliche Inhaltsstoffe enthalten. Komischerweise scheint dieser Gedanke aber nicht auf Kleidungsstücke übertragen zu werden. Immer noch nicht.

Ohne mit der Wimper zu zucken, werden mit giftigen Chemikalien gefärbte Klamotten übergestreift, man schlüpft bedenkenlos in Jeans, ohne sich darüber bewusst zu sein, was der Herstellungsprozess einigen Menschen und der Umwelt angetan hat. Ganz zu schweigen mit was unser Körper beim Tragen in Kontakt kommt. Schon mal darüber nachgedacht, mit welchen Farben die Bettdecke unter der wir jede Nacht liegen, gefärbt wurde?

Immer wieder erstaunlich, dass sich mancher keine Gedanken darüber macht, was er an seinen Körper lässt?

Aber es wird gekauft, gekauft, gekauft, als ob es kein Morgen gäbe. Und dann wird es wieder aussortiert und landet irgendwo… Mit jeder Kaufentscheidung übernehme ich Verantwortung. Verantwortung für das, was in meiner Tüte landet. Verantwortung für das tote Tier, wenn ich Pelz kaufe. Verantwortung für die Näherinnen – die weit unter dem Mindestlohn arbeiten oder am Rande der Sklaverei schuften müssen – wenn ich in Fast Fashion investiere. Verantwortung für die Umwelt – es ist ja keine neue Erkenntnis, dass die Textilbranche zu den größten Umweltverschmutzern überhaupt zählt. Aber nach wie vor werden tagtäglich unzählige Textilien in XL-Einkaufstüten gestopft, werden Tonnen an Bekleidung kistenweise durch die Nation geschickt und landen in den vollgestopften Kleiderschränken, auf den Müllhalden…

Trusted Fibres

Es wird immer weiterproduziert – als gäbe es kein Morgen

Sind das die Menschen, die sich nach „trusted fibres“ sehnen?

Wen also meint Li Edelkoort, wenn sie bezüglich unseres Wunsches nach „trusted fibres“ von „wir“ spricht? Denn auf was vertrauen die riesigen Menschenmassen beim Fast Fashion Kauf, wenn sie doch wissen, dass sie sich, anderen Menschen und der Umwelt schaden. Wie kann man sich nach „trusted fibres“ sehnen, wenn man nicht bereit ist, Verantwortung zu übernehmen…

Wen also meint denn nun Li Edelkoort?

Ich bin verwirrt… Was hat es mit den Menschen und den „trusted fibres“ auf sich? Oder lässt sich die Zukunft eben einfach doch nicht voraussagen?

Sorry, aber das musste ich mir irgendwie gerade von der Seele tippen. Das ändert zwar nichts, aber während ich hier Stakkato getippt habe, ist mir zumindest immer bewusster geworden, wie glücklich sich diejenigen schätzen können, die sich wirklich nach den viel besprochenen „trusted fibres“ sehnen und entsprechend leben und handeln. Und – das muss ich jetzt mal aussprechen – es hat so gut getan, im Januar einige Gleichgesinnte in der FairFashionBlogger-Lounge in Berlin zu treffen. Danke an @jaeckleundhoesle @loveco.shop @viertelvormag @pinkgreenblog @healthy_lena @atleastblog @notanotherwomanmag und all die anderen wunderbaren Menschen, die sich nach „trusted fibres“ sehnen und auch entsprechend handeln!

#FairFashionForward #ByeByeFastFashion #TheFutureIsNow

Und ein kleiner Nachschlag, um der armen Li Edelkoort nicht allzu Unrecht zu tun:

Sie spricht davon, dass sich Saisons überholt haben – ein Trend, der tatsächlich gerade zu beobachten ist. Bedingt dadurch, das sich die Mode in einer selbstverschuldeten Beschleunigungsspirale befindet, dass selbst die Modemacher nicht mehr hinterherkommen, sucht man nach einem Ausweg aus dieser unerfreulichen Situation. Überflüssige Pre-, Cruise- & Co.-Kollektionen wieder zu streichen erscheint da ja nur sinnvoll. Ein weiterer Punkt, den die Trendforschungsikone auf der Poduimsdiskussion im Rahmen der Munich Fabric Start angesprochen hat: Langeweile und Uniformität in der Mode seien bestimmend. Auch in diesem Punkt muss ich ihr leider – zumindest großteils – recht geben. Aber es gibt ja erfreulicherweise rühmliche Ausnahmen, vor allem im Fairfashion-Bereich, wo zeitlose Klassiker anstatt kurzlebiger Trends im Vordergrund stehen.

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