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Wenn wenig viel bewirkt - Conscious Consumer setzen auf Capsule Collections

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Es wird immer mehr produziert und es wird immer mehr konsumiert – der Conscious Consumer ist immer noch eine Rarität. Ob Modekonsum glücklich macht? Diese Frage haben wir uns im April im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf der Messe Fair Handeln in Stuttgart gestellt. Ich war von Future Fashion dort als Speaker eingeladen. Anders als meine Podiumskollegen, die u.a. Konsumverzicht propagieren, behaupte ich, dass Modekonsum viele Menschen (ich schließe mich hier nicht aus) glücklich macht.

Ob Modekonsum glücklich macht? Ich denke schon.

Deshalb finde ich es auch so wichtig, dass es großartige nachhaltige Labels gibt, die den Modekonsumenten „abholen“. Denn der Mensch wird immer konsumieren. Und dann lieber nachhaltig als Fast Fashion. Worum es bei meiner These aber auch geht: Um das Bewusstsein. Verzicht ist nicht der (einzig) richtige Ansatz – schon alleine nicht wegen der Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. In textilproduzierenden Ländern würde eine nicht zu kontrollierende Katastrophe ausbrechen, wenn all die Arbeitsplätze wegfallen. Deshalb bin ich für bewussten Konsum: Weniger ist mehr. Slow Fashion ist besser als Fast Fashion. Fingers crossed, dass der Conscious Consumer das neue normal wird.

Meine 5 Tipps für angehende Conscious Consumer

1) Capsule Wardrobe

„Less is more“ oder wie Vivienne Westwood sagen würde „Buy less, choose well, make it last“. Durchschnittlich 95 Kleidungsstücke hat jeder Deutsche im Schrank. Und wieviele Teile davon sind Lieblingsstücke? Genau. Denn mehr macht leider gar nicht unbedingt glücklicher. Ein gut sortierter Kleiderschrank mit einem Fokus auf zeitlose Highlights – eine sogenannte Capsule Wardrobe – die sich idealerweise untereinander prima kombinieren lassen, ist viel einfacher zu handhaben, spart Geld, schützt die Umwelt. Ein grandioses Buch zum Thema haben gerade Anna Bronowski und Juliana Holtzhammer geschrieben. Und wer sollte sich auch mit „Minimal Fashion“ besser auskennen, als die beiden Gründerinnen des Hamburger Eco-Labels Jan ’n June?

Den eigenen Stil finden, Kleidung bewusst einkaufen und clever kombinieren.

Den meist übervollen Kleiderschrank ausmisten damit nur noch die Teile im Schrank hängen, die wirklich zu uns passen. Und die wir wirklich tragen. Wer seinen Geschmack kennt, braucht nicht mehr als 14 Basics, mit denen man eine Vielzahl Looks stylen kann. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht. Wie das im Alltag umzusetzen ist, verraten Anna und Juliana mit praxisnahmen und cleveren Tricks in ihrem Guide zur Minimal Wardrobe. Einer der tollen Tipps: die Bügelmethode. Um die wirklichen Lieblingsteile zu identifizieren raten Anna und Juliana dazu, die Kleidung verkehrt herum in den Schrank zu hängen. Kam das Teil zum Einsatz, wird es richtig herum in den Schrank gehängt. Deutlicher kann man sich nicht vor Augen führen, was definitiv nie getragen wird.

Nur noch Lieblingsstücke im Schrank? So geht’s!

Diese Sachen kann man dann ganz entspannt nach einer gewissen Zeit aussortieren, Second Hand verkaufen, mit Freundinnen tauschen. Zurück bleiben Lieblingsstücke. Nach einer Einführung in die Typanalyse und einem cleveren Test, der dabei hilft herauszufinden was für ein Mode-Typ man ist, erläutern Anna und Juliana das Phänomen Capsule Wardrobe und erleichtern das Zusammenstellen mit einer Checklist. Denn ja, mit den richtigen Stücken kann man aus nur 14 Teilen (ohne Accessoires) 42 Looks kreieren. Wie diese am besten kombiniert werden und wie man seinen eigenen Stil damit am besten zur Geltung bringt verraten die beiden Stilexpertinnen natürlich auch. „Minimal Fashion“ von Anna Bronowski und Juliana Holtzhammer (Dorling Kindersley).

Minimal Fashion - wer sollte das besser kennen, als die Gründerinnen von Jan 'n June

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Basis-Infos erleichtern das Verständnis

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Und welcher fashion-Typ bist Du?

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Die Geheimnisse (und Vorteile) der Capsule Wardrobe

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Und so geht's. Ziemlich chic, finde ich.

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2) Alternatives Shoppen

Muss denn immer alles neu sein? Definitiv nein. Mode leihen, tauschen oder gebraucht kaufen – das sind die nachhaltigen Shopping-Alternativen für Conscious Consumer. Gebraucht? Großartige Einzelstücke von Mels Second-Hand-Event Old is the new new oder Online-Plattformen wie Kleiderkreisel bereichern unseren Kleiderschrank ohne dabei neue Ressourcen zu verschwenden. Leihen? Unbedingt bei den Powergirls von der Kleiderei.com reinschauen, wenn sie wieder weitermacht. Oder bei Filippa K, denn auch hier gibt einen Leasing-Service. Oder tauschen: Im großen Stil (z.B. Greenpeace, Future Fashion) oder als selbst organisierte private Party. Macht Spaß und sicherlich die ein oder andere Freundin glücklich.

3) Repair & DIY

Leider leben wir in einer beispiellosen Wegwerfgesellschaft. Klar, lernen die Kinder heute noch nicht mal mehr, wie man einen Knopf annäht oder eine Naht repariert. Von wem auch? Die Eltern können es meistens selber nicht. Und Handarbeiten in der Schule sieht leider auch der Lehrplan nicht mehr vor. Tolle Nähkurse gibt’s z.B. bei Louloute (habe ich selbst ausprobiert) in München. Dann kann man seine Sachen nämlich selbst reparieren, (mit Patches & Co.) individualisieren oder – wow – sogar selber nähen. Das macht Spaß und hilft dabei Mode wieder wertzuschätzen.

Bei der Arbeit während meines dreitägigen Nähworkshops

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Atelier, Showroom, Nähwerkstatt - bei Louloute geht's immer um die Details

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Inspo für zu Hause...

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So lassen sich kleine Leftovers dekorativ nutzen und warten geduldig dafauf verarbeitet zu werden

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Willkommen an meinem Arbeitsplatz

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Am dritten tag haben wir kleine Täschchen mit Zipper genäht. Das begleitet mich jetzt dauerhaft.

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Sehr praktisch für Einsteiger: Hier gibt es Nähsets mit fertigen Zuschnitten und Anleitung.

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Ich liebe diese kleinen Schnick-Schnack-Zubehöre

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Tolle Deko

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Mein allererster, selbstgenähter Shopper

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4) Don’t over wash

Leider neigen wir alle dazu Dinge zu waschen, die es gar nicht unbedingt nötig haben. Gut zu wissen: Jede Waschmaschinenladung, auf die wir verzichten, ist eine gute Sache. Damit haben wir auch länger Freude an unseren Lieblingsstücken, weil die Farben länger brillant bleiben, die Form sich nicht verändert. Und unser ökologischer Fußabdruck wird auch kleiner.

5) Die Guten unterstützen

Den Unterschied zwischen Fast Fashion und Slow Fashion muss ich glaube ich nicht mehr erklären. Wenn es also ein neues Lieblingsstück sein soll, dann schaue ich mich als Conscious Consumer persönlich lieber bei meinen liebsten Eco-Labels um. Welche das sind? Einfach mal bei meinen Labelporträts reinschauen. Und dann wäre da noch die Sache mit der Jeans. So sehr wir dieses Kleidungsstück lieben, so überraschend mag es sein, dass die (konventionell produzierte!) Jeans das schmutzigste Kleidungsstück überhaupt ist. Genaugenommen handelt es sich bei unserem blauen Lieblingsstoff um eine textile Umweltkatastrophe. Details gibt’s in meinem Artikel auf VOGUE.de hier. Die gute Nachricht: Eco-Faire Labels wie DAWN, Goodsociety, Kings of Indigo, MUD Jeans, Feuervogl, Kuyichi machen’s besser!

Das war jetzt mal ein Quick-&-Dirty-Einstieg. Natürlich gäbe es noch viel viel mehr zum Thema zu sagen. Und natürlich steigt niemand von heute auf morgen um. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass keiner von uns 100 Prozent nachhaltig ist. Aber vielleicht sind die Tipps doch ganz hilfreich auf dem Weg zum Conscious Consumer.

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